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Chronik der Musikkapelle Memhölz
Über die
Gründung der Musikkapelle Memhölz gibt es zwar kein Protokoll und über das
Wirken der Musiker nur spärliche Aufzeichnungen. Doch das Bestehen der
Blasmusik Memhölz bezeugt eindeutig eine am 23. Oktober 1930 von der
Gemeinde Memhölz ausgestellte Urkunde. Sie ist dem Gründer der
Musikgesellschaft Memhölz, Josef Hörburger, zum 50jährigen Musikjubiläum
gewidmet. Die Urkunde ist heute noch im Musikheim der Memhölzer im alten
Schulhaus von Memhölz zu sehen.
Die damals
neun Bläser zählende Gruppe feierte mit ihrem Musikmeister schon drei
Jahre früher, denn Josef Hörburger war bereits seit 1877 in Waltenhofen
als Musiker tätig, ehe er 1880 die Musikgesellschaft Memhölz ins Leben
rief. Die erste Photographie der Kapelle datiert aus dem Jahr 1883.

Tatsächlich
muß es in Memhölz noch früher Musiker gegeben haben, die das
Gemeinschaftsspiel pflegten und öffentlich auftraten. In den
Kirchenrechnungen der Pfarrei Sankt Andreas sind nämlich schon ab 1870
jährliche Ausgaben von jeweils drei Gulden und später fünf Mark zur
Ausbezahlung an die Musiker, für die Mitwirkung beim Fronleichnamsfest,
verbucht. Die Eintragungen in den Kirchenbüchern weisen auf ein enges
Zusammenwirken des Kirchenchores mit den Musikanten bei kirchlichen und
weltlichen Feiern hin. Einen besonderen Platz nahm damals das Fest der hl.
Cäcilia, der Schutzherrin der Musik ein. Dieses Fest muß man im Jahre 1909
ganz groß gefeiert haben, wie aus den Aufzeichnungen entnommen werden
kann.

In all den Jahren, bei Vereins- oder
Familienanlässen im Ort, zur Freude oder zum Gedenken, die Musikanten
waren fast immer dabei.
Als
bedeutendes Ereignis der 20er Jahre erinnert man sich der Primiz des
späteren Geistlichen Rates Ludwig Endras am 2. August 1920.
Zu den
Nachbarkapellen Niedersonthofen und Waltenhofen bestand ein guter Kontakt.
Gemeinschaftlich beteiligte man sich an Festlichkeiten in der Umgebung. So
traten die Musikkapellen Memhölz und Niedersonthofen zusammen bis in
Wangen auf.
Die
Zusammenarbeit wurde im ersten Weltkrieg noch erweitert. Man half
einander aus, wenn in den drei Ortschaften einem gefallenen Soldaten die
letzte Ehre erwiesen wurde. Die aus der Not geborene Zusammenarbeit
dauerte über Jahrzehnte fort, wie die Musikveteranen Josef Keck und Karl
Tauscher zu berichten wussten.

Die Musikkapelle Memhölz hat eine
Eigenheit. Sie steht seit Gründung in vierter Generation unter der
musikalischen Leitung eines Hörburger. Der Gründer, Josef Hörburger, war
47 Jahre Musikmeister.

Musikmeister
1880-1927 Josef Hörburger
Viele
Jahre stand ihm der Musikmeister Xaver Tauscher aus Wollmuths, der in der
aktiven Dienstzeit Militärmusiker war, als Ausbilder zur Seite.
Ab 1927
führte Fidel Hörburger, mit Unterstützung seines Bruders Johann Georg, die
Musikkapelle Memhölz. Im Jahre 1949 übernahm der dritte Hörburger die
inzwischen auf 14 Bläser gewachsene Kapelle. Der junge Dirigent, Benedikt
Hörburger, hatte mit sehr gutem Erfolg den Dirigentenlehrgang absolviert.
Er führte bereits im zweiten Jahr seiner Tätigkeit seine neu formierte
Kapelle zum ersten Wertungsspiel nach Sonthofen.
Benedikt
Hörburger leitete die Musikkapelle dann 51 Jahre lang bis ins Jahr 2000.
Seit dieser Zeit ist sein Sohn, Johannes Hörburger, Dirigent der Memhölzer.
Großen
Anteil an der Entwicklung des musikalischen Lebens in Memhölz hatte
Pfarrer Rees. Mit ihm erinnert man sich auch an die ersten Allgäuer
Imkertage, die er ins Leben rief, und die auch die mitwirkende
Musikkapelle Memhölz weit über die Grenzen des Allgäus bekannt machte.
Bei der
Weihe der Schützenkette des Schützenvereins Memhölz im Jahr 1956 stellte
sich die Musikkapelle zum ersten Mal im Allgäuer G´wand vor.

Die Glockenweihe, Jubiläumsfeste mit
Fahnenweihen der Schützenvereine Waldhäusle und Memhölz, in den Jahren
1965 und 1966, waren weitere größere Veranstaltungen im örtlichen Bereich.
In
zunehmendem Maße wurden Festveranstaltungen in der Umgebung besucht. Die
Teilnahme an den Bezirksmusikfesten wurde zur Selbstverständlichkeit. Das
Musikfest in Isny stand bei den Musikern noch lange in freudiger
Erinnerung. Es war das Jahr 1957, als man sich erneut den Wertungsrichtern
stellte und das Resultat zur Zufriedenheit ausfiel. Großen Auftrieb gab
der erste Rang beim Wertungsspiel in Altusried im Jahr 1968.
Besonders gern fahren die Memhölzer Musikanten zu den Außerferner
Bundesmusikfesten ins Land Tirol. Dabei verbinden Sie Nützliches mit
Angenehmem. Vom oberen Lechtal bis zur Zugspitze sind die „Blaugwandeten
mit dem Einhornwappen“ zu sehen. Mittlerweile konnten die Memhölzer bei
mehr als zwei Dutzend Marschmusikbewertungen im Außerfern meist gute
Erfolge erzielen. Besondere Freundschaft wurde mit der Musikkapelle
Hägerau geschlossen, die die Memhölzer anlässlich ihres Musikfestes übers
Wochenende eingeladen hatten. Beim Gegenbesuch der Hägerauer und
gemeinsamen Osterkonzert im Jahr 2000 blieben dann die Hägerauer über
Nacht Gäste in Memhölz.
Aber
auch mit vielen anderen Musikkapellen des Außerferner Musikbundes sind die
Memhölzer freundschaftlich verbunden. So gaben in der Vergangenheit auch
die Musikkapellen aus Vils, Pinswang,
Lechaschau und Höfen in der Mehrzweckhalle
Waltenhofen Gemeinschaftskonzerte mit der Musikkapelle Memhölz.
Die
Musikkapelle Memhölz begleitet auch regelmäßig Pilgerfahrten aus der
Diözese Augsburg an das Urheiligtum von Schönstatt bei Vallendar am Rhein.
Am örtlichen Wallfahrtsheiligtum „Schönstatt auf´m Berg“ erklangen schon
oft die Instrumente zu Ehren der Mutter Gottes.
Ein
besonderes Erlebnis für die Memhölzer war die Begleitung einer
Pilgerwallfahrt im Jahre 1992 nach Rom, wo sie Papst Johannes Paul dem
Zweiten ein Ständchen spielen durften..
Die
Musikkapelle schloß Freundschaften mit Musikkapellen und Gesangsvereinen.
Die Musikkapelle Kirchberg an der Iller stand Pate bei der Weihe der neuen
Musikerfahne im Jahre 1990. Ebenso war auch der Gesangsverein
„Moosröschen“ aus Arenberg bei Koblenz gern gesehener Gast in Memhölz, und
auch die Gegenbesuche an den Rhein blieben nicht aus.
Ein
Markstein in der Musikgeschichte war die Einweihung des „alten“
Musikheimes im Jahre 1975. Bis dahin wurden die Proben jahrzehntelang im
Gasthaus „Waldhäusle“ abgehalten. Die Musikanten schieden nur ungern aus
dem Ried. Doch die Vergrößerung der Kapelle zwang dazu.
So kam
das großherzige Angebot der Eheleute Dr. Eberhard und Elisabeth Emminger
zur rechten Zeit. Kostenlos überließen sie der Kapelle im ehemaligen
Sennereigebäude in Memhölz entsprechende Räumlichkeiten.
Das wohl
herausragendste Ereignis seit Gründung war dann das 100jährige Jubiläum
verbunden mit der Ausrichtung des 12. Bezirksmusikfestes im Bezirk 1
Kempten im Jahre 1980. An den Wertungsspielen in der Turnhalle der
ehemaligen Schule in Memhölz beteiligten sich 20 Musikkapellen.
Das
Festprogramm fand von Donnerstag, 24. Juli 1980 bis Sonntag, 27. Juli 1980
statt, wobei der Gesamtchor aller anwesenden Kapellen und der
anschließende große Festzug am Sonntag Nachmittag sicher die Höhepunkte
waren. Am Festzug beteiligten sich 45 Gruppen, davon 32 Musikkapellen,
wobei die Musikkapelle Memhölz den Abschluß machte.
Anlässlich ihres 100jährigen Jubiläums wurde der Musikkapelle Memhölz vom
damaligen Präsidenten des ASM, Prof. Karl Kling, die
Pro-Musika-Plakette verliehen, der höchsten Auszeichnung für Blasorchester
der Bundesrepublik Deutschland. Im Festjahr zählte die Kapelle 44
Mitwirkende .
Seit
1965 befinden sich auch Alphornbläser in der Reihen der Musikkapelle.
Anton Rist, Wilhelm Nigst und Benedikt Hörburger waren die ersten, die die
Klänge des Hirteninstrumentes über die Memhölzer Fluren streichen ließen.
Anläßlich des 20jährigen Jubiläums der Alphornbläser Memhölz wurde hier
das 18. Allgäuer Alphornbläsertreffen im Jahre 1985 ausgerichtet. Ab
diesem Zeitpunkt spielten die Memhölzer zu sechst. Die Jubiläumsgruppe
bestand aus Benedikt Hörburger, Andreas Hörburger, Benedikt Hörburger
jun., Johannes Hörburger, Franz Nigst und Manfred Nigst.

Ein
besonderer Musikausflug ins Ausland führte die Kapelle 1990 zum
internationalen Blasmusiktreffen „Prager Winter“ nach Prag und Brünn. Hier
konnten die Memhölzer beim Wertungsspiel eine Bronce-Auszeichnung
erreichen. Neben den kulturellen Eindrücken gefiel den Musikanten vor
allem auch die Preiskultur im ehemaligen Ostblock. Für 49 Pfennig harter
D-Mark-Währung gab´s schon eine Halbe Bier.
Seit
1994 präsentieren sich die Memhölzer wieder in Lederhosen. Rund 70.000 DM
Kosten sind angefallen, um die komplette Kapelle neu einzukleiden. Durch
jahrelanges sparen sowie der Unterstützung vieler Privatpersonen, einiger
Firmen und der Gemeinde konnte diese Last gemeinsam geschultert werden.
Nachdem
das „alte Musikheim“ in der ehem. Sennerei Memhölz nach 25 Jahren Nutzung
baufällig geworden war, fand die Kapelle ab dem Jahr 2000 im alten
Schulhaus von Memhölz eine neue Bleibe. Mit viel finanziellem Aufwand und
Engagement der Musiker – es wurden knapp 2000 Arbeitsstunden geleistet –
kann die Kapelle nun in großzügigen liebevoll ausgestalteten Räumen ihrer
Probenarbeit nachgehen.
Mit dem
neuen Jahrtausend begann auch für die Musikkapelle eine neue Zeitrechnung.
Es wurden zum erstenmal in der Geschichte des Vereins Vorstandswahlen
durchgeführt und der Verein in das Vereinsregister des Amtsgerichtes
Kempten eingetragen. Gleichzeitig wurde vom Finanzamt Kempten die
Gemeinnützigkeit anerkannt.
Ins neue
Jahrtausend führt die Memhölzer nun:
|
- Johannes
Hörburger |
als Dirigent |
|
-
Manfred Nigst |
als erster Vorsitzender |
|
-
Albert Hörburger |
als zweiter Vorsitzender |
|
-
Josef Hörburger |
als Kassierer |
|
-
Adalbert Rist |
als Schriftführer |
|
-
Andrea Endras |
als Beisitzerin |
|
-
Peter Hipp |
als Beisitzer |

Ein Großereignis für Memhölzer
Verhältnisse war 2002 das 44. Allgäuer Alphornbläsertreffen auf Edmund
Beck´s Viehweide auf´m Berg. Zu diesem kulturellen Event kamen neben 250
Alphornbläsern aus drei Ländern ca. 6000 begeisterte Zuschauer aus dem
ganzen Land.
Um diesen Menschenansturm mit
leiblichen Genüssen versorgen zu können waren mehr als 150 Helfer im
Einsatz. Fast aus jedem Memhölzer Haus waren Helfer gekommen. Durch die
reibungslose Zusammenarbeit von Musikkapelle, Alphornbläsern,
Schützenverein und Sparclub konnte bei allen Besuchern ein bleibend guter
Eindruck von Memhölz hinterlassen werden. Die Hauptverantwortung lag
jedoch bei Petrus, der den Memhölzern einen wunderbaren Sonntag zu dieser
Freiluftveranstaltung schenkte.
Ein Meilenstein in der guten
Zusammenarbeit der vier Musikkapellen Memhölz, Martinszell,
Niedersonthofen und Waltenhofen im Gemeindegebiet Waltenhofen war die
Gründung einer gemeinsamen Jugendkapelle – der Jugendkapelle
„Niedersonthofener See“ im Jahre 2003.
Bereits zu Anfang haben sich mehr
als 60 Kinder und Jugendliche aus allen Ortsteilen zu diesem Orchester
gemeldet. Der eigenständige Verein „Jugendkapelle Niedersonthofener See“
wird aus gewählten Vertretern der vier Waltenhofener Musikvereine
geleitet.
Die nächste große Herausforderung
steht bereits an. Im Jahr 2005 feiern die Memhölzer ihr 125jähriges
Bestehen. Aus diesem Anlaß richtet die Musikkapelle Memhölz das 34.
Bezirksmusikfest des Bezirkes 1 Kempten im Jahr 2005 aus.

Nicht unerwähnt sollen die
zahlreichen Gönner und Musikfreunde bleiben. Es sind dies insbesondere
alle Spender beim „Neujahrsblasen“, das seit 1951 zur Tradition geworden
ist. Ohne die große Unterstützung aus der Bevölkerung wäre manche
Anschaffung oder manches Fest nicht möglich gewesen.
Ungezählt sind die Stunden, die im
Laufe eines Jahres von den Musikanten für die Proben aufgebracht werden.
Die Auftritte der Musikkapelle Memhölz in der Öffentlichkeit haben von
Jahr zu Jahr zugenommen. Regelmäßig Frühjahrs- und Standkonzerte gehören
dazu. Bei Wald-, Garten-, Sommernachts- und Gemeindefesten im Ort und
Außerhalb wird aufgespielt.

Voll Stolz blickt man auf eine große Anzahl
an Jungmusikern und hofft, dass deren Begeisterung anhält, damit in
Memhölz weiter musiziert wird, zur Ehre Gottes und zur Freude der
Menschen.
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